Fischöl gegen plötzlichen Herztod

Jährlich sterben in Österreich fast 16.000 Menschen jährlich an plötzlichen Herztod. Durch die Einnahme hochkonzentrierter Fischöle – das beweist eine Studie der renommierten italienischen Forschungsgruppe GISSI mit mehr als 11.000 PatientInnen – kann dieses Risiko um rund 45 Prozent gesenkt werden.

Warum gilt der Herzinfarkt in Grönland als fast unbekannte Erkrankung? Die Antwort ist einfach: Auf dem Speiseplan der Einwohner dieses Landes steht beinahe täglich fetter Meeresfisch. Ähnlich verhält es sich in Japan, wo ebenfalls viel Fisch verzehrt wird. Auch hier sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu den westlichen Industrieländern relativ selten. Nachweislich wirkt die Aufnahme der Fettsäuren aus dieser Ernährung dem Myokardinfarkt (Herzinfarkt) entgegen. In Österreich dagegen erleiden rund 10.000 Menschen jährlich einen Herzinfarkt. Und: Wer bereits einmal einen Herzinfarkt hatte, schwebt in nicht unbeträchtlicher Gefahr, einen weiteren Infarkt zu erleiden oder an plötzlichem Herztod zu sterben.

„Über 30 Prozent der Patienten, die bereits einmal einen Herzinfarkt mit Kammerarrhythmien hatten, sterben einen plötzlichen Herztod“, sagt Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin der Universität Wien. „Generell sind rund 15 Prozent der Gesamtsterblichkeit in der westlichen Bevölkerung auf plötzlichen Herztod zurückzuführen.“ Für Österreich bedeutet das: jährlich sterben etwa 16.000 Menschen an plötzlichem Herztod. Die Risikofaktoren für eine Herzerkrankung sind bekannt: ungesunde Ernährung, Rauchen, zu hohe Cholesterinwerte und zu hoher Blutdruck.

Studienablauf: Ein Viertel der insgesamt 11.324 Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, bekam jeden Tag eine Kapsel mit einem Gramm Omega 3 Fettsäuren. Ein weiteres Viertel nahm pro Tag 300 Milligramm Vitamin E ein, ein weiteres Viertel beides und der Rest der Probanden erhielt nur die Standardtherapie.

Das Hauptergebnis: Die Häufigkeit eines plötzlichen Herztodes sank in der Gruppe der Personen, welche die Omega 3 -Kapseln eingenommen hatten, um 45 Prozent. Für Vitamin E wurde kein statistisch signifikanter positiver Effekt bewiesen. Die Gesamtsterblichkeit, die Häufigkeit der nicht tödlichen Infarkte und der nicht tödlichen Schlaganfälle reduzierte sich um 20 Prozent.

Dazu Heinrich Weber, Leiter der kardiologischen Abteilung des Kaiser-Franz-Josef-Spitals in Wien: „Die Omega-3-Fettsäuren wirken antiarrhythmisch. Das heißt, sie setzen die Flimmerschwelle der Herzmuskelzelle herab und wirken so dem plötzlichen Herztod.“ Und auch Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak, Leiter der Stoffwechselambulanz an der Medizinischen Universitätsklinik Graz, äußert sich begeistert: „Wir gehen davon aus, dass Fischöle deshalb vor einem Infarktereignis schützen, weil sie die Plättchenaggregation hemmen und so die Gefäße frei halten. Außerdem wird diesen Ölen eine antiarrhythmische Wirkung zugeschrieben.“

Zum Einsatz in der GISSI-P-Studie kam das Medikament Omacor (Solvaypharma). Es ist in Österreich seit Sommer 2002 zur Sekundärprävention nach einem Myokardinfarkt zugelassen (chefarztpflichtig). Im Gegensatz zu herkömmlichen Nahrungsergänzungsmitteln aus Fischöl, die man in jeder Drogerie erwerben kann, ist dieses Medikament durch ein neuartiges Herstellungsverfahren hochgereinigt und hochkonzentriert, sodass der Anteil der für die Behandlung wichtigen Fettsäuren EPA&DHA bei 84 Prozent liegt. Es handelt sich daher um ein rezeptpflichtiges Medikament und nicht um ein Nahrungsergänzungsmittel.

Kurzerhand mehr Fisch zu essen, ist leider nicht die optimale Lösung! Ja, sogar – aufgrund der Quecksilberbelastung insbesonders im Kaltwasserfisch – kontraproduktiv. Denn: Der Verzehr von quecksilberbelastetem Fisch erhöht das Risiko von Herzerkrankungen stärker als bisher angenommen. Das berichten jetzt amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“. Unter Leitung von Eliseo Guallar von der Johns Hopkins School of Public Health hatte ein Wissenschaftlerteam in Europa und Israel 684 Herzinfarkt-Patienten mit 724 gesunden Männern verglichen. Bei den Herzpatienten lag die Quecksilberkonzentration im Fettgewebe um 15 Prozent höher.

Ein hoher Quecksilbergehalt macht offenbar den positiven Einfluss der ebenfalls im Fisch vorkommenden mehrfach ungesättigten Fettsäuren zunichte. Quecksilber reichere sich im Körper auch an, wenn man über Jahre hinweg Fisch mit geringer konzentrierten Quecksilberspuren verzehre, schreiben die Forscher. Die Warnung, dass vor allem schwangere Frauen gefährdet seien, müsse möglicherweise auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet werden.

Die absoluten Dont’s nach einem Infarkt: Rauchen, Schlemmen & Wutausbrüche.
Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern ein zwei- bis vierfach erhöhtes koronares Risiko. Der vollständige Verzicht auf Rauchwaren aller Art ist daher unbedingt anzustreben. Unbedingte Konsequenz ist – auch Monate oder Jahre nach einem kardiovaskulären Ereignis – angesagt.

Ein Festtagsschmaus wie der weihnachtliche Gänsebraten vervierfacht das Risiko, innerhalb weniger Stunden einen Herzinfarkt zu erleiden. Eine besonders deftige Mahlzeit belastet das Herz genauso wie eine schwere körperliche Anstrengung oder ein heftiger Wutausbruch. „Das gilt besonders für Menschen, die an Arterienverkalkung (Arteriosklerose) leiden oder schon einmal einen Infarkt hatten“, warnen Kardiologen.

Den Zusammenhang erklären sie damit, dass der Körper beim Essen und Verdauen mehr Hormone freigebe. Diese erhöhten den Herzschlag und den Blutdruck und schütteten jene chemischen Substanzen aus, die die Bildung von Blutpfropfen fördern. Durch den plötzlichen Anstieg des Blutdrucks werde mehr Sauerstoff erforderlich und das Herz weiter unter Druck gesetzt.

Was Omega-3-Fettsäuren sonst noch alles können…

Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten haben sich in den vergangenen Jahren mit der Wirkung von den Omega-Fettsäuren auf die Gesundheit befasst. Die umfangreiche Ernährungsstudie der Havard School of Public Health mit 167.500 Menschen (116000 Krankenschwestern und 51.500 Männern in Gesundheitsberufen) zeigt, welche Ernährung gesund hält und welche krank macht.

Gut für Herz und Kreislauf

Hiroyaso Iso von der Frauenklinik der Harvard Medical School, Boston, bediente sich der Daten aus der „Krankenschwestern-Gesundheits-Studie“. Seit 1976 wurden darin Krankenschwestern genau zu ihren Ernährungsgewohnheiten und Krankheiten befragt und regelmäßig untersucht. Isos Ergebnisse: Frauen, die fünf oder mehr Fischmahlzeiten pro Woche aßen, halbierten ihr Schlaganfallrisiko. Diejenigen mit zwei bis vier mal Fisch pro Woche verringerten ihr Risiko um 27 Prozent. Wer sich traditionell nur Freitags von Fisch ernährt, wird immerhin noch mit einer Risikoreduktion von 22 Prozent für die Frömmigkeit belohnt. Drei mal Fisch im Monat reichen dann noch aus, um sich 7 Prozent des Schlaganfallrisikos zu entledigen.

Diese Zahlen wurden zwar ausschließlich an Frauen erhoben, aus medizinischer Sicht gibt es aber keinen Grund anzunehmen, dass Männer weniger profitieren.

Offensichtlich verhindern die Fischöle die Verklumpung von Blutplättchen und verbessern die Fließeigenschaften des Blutes. Das schützt auch das Herz. Vor allem auch deshalb, weil die Fettsäuren gleichzeitig einen positiven Einfluss auf die Herzmuskelzellen ausüben und so die gefährlichen Herzrhythmusstörugen verhindern. Nachgewiesen werden konnte, dass durch häufige Seefischmahlzeiten die Sterblichkeit von Infarktpatienten gesenkt wird. Auch Blutdruck und Blutfettwerte werden durch Omega-3-Fettsäuren günstig beeinflusst.

Wirkung auf entzündliche Prozesse.

Die verschiedenen aus den Omega-Fettsäuren aufgebauten Eicosanoide wirken auf Entzündungsprozesse. Darüber hinaus beeinflussen die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in den Zellmembranen das komplexe Geschehen des Immunsystems. So werden auch einige Erkrankungen durch Omega-3-Fettsäuren günstig beeinflusst, bei denen entzündliche Prozesse eine Rolle spielen. Dazu gehören rheumatische Erkrankungen, Schuppenflechte und chronische Darmerkrankungen – Fischöle sollen hier Krankheitssymptome lindern bzw. medikamentöse Therapien unterstützen.

Depressionen

Viel Fisch in der Ernährung stabilisiert auch die Seele. Eine finnische Studie mit rund 3200 Teilnehmern hat ergeben, dass Fisch möglicherweise vor Depressionen schützen kann. Wer viel und regelmäßig Fisch isst, leidet seltener an Depressionen. Studienteilnehmer, die Meeres- oder Süßwasserfische seltener als einmal die Woche zu sich nahmen, hatten ein um 31 % höheres Erkrankungsrisiko im Vergleich zu denen, die häufiger Fisch verzehrten. Nach Auffassung der Wissenschafter könnten Omega-3-Fettsäuren für die Unterschiede verantwortlich sein, indem sie ähnlich wie einige Antidepressiva in den Gehirnstoffwechsel eingreifen. Ein niedriger Omega-3-Fettsäuren-Spiegel führt zu Serotoninmangel, was depressive Störungen hervorrufen kann. Auch eine Untersuchung, die am McLean Hospital der Harvard-Universität durchgeführt wurde, deutet auf eine stimmungsaufhellende Wirkung von Omega-3-Fettsäuren hin. Manisch depressive Patienten erhielten vier Monate lang entweder Fischöl- oder Olivenölkapseln. Nur das Fischöl konnte Symptome der Erkranung mildern. Die Untersuchung stützt sich auf die Daten von nur 30 Patienten. Bis jetzt also kein Ersatz für Antidepressiva, vielleicht aber eine Ergänzung auf natürlicher Basis. Ein Vorteil ist sicherlich, dass Fischöl auch einen schützenden Effekt bezüglich Herzinfarkten und Schlaganfällen haben kann. Dies ist besonders interessant, da neuere Untersuchungen eine erhöhte Herzinfarktsterblichkeit bei Depressiven nachweisen. Also falls es doch nicht gegen die Depression hilft, so gilt hier – ähnlich wie beim Sport – dass es zumindest hilft den Komplikationen der Depression vorzubeugen.

Zentrales Nervensystem

Eine frühzeitige, ausreichend hohe Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft und danach kann sowohl das Sehvermögen als auch die spätere Intelligenz der Kinder fördern. Im übrigen fördern Omega-3-Fettsäuren auch beim Erwachsenen die Hirnleistung, weil sie die allgemeine Durchblutung verbessern und so dem Gehirn mehr Sauerstoff zugeführt wird. Die Bedeutung der Omega-3-Fettsäuren für das Zentralnervensystem zeigt sich schließlich auch daran, dass Patienten mit Morbus Alzheimer oft ein deutliches Defizit aufweisen. Eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren kann durch vermehrten Verzehr von Fisch (v.a. fette Kaltwasserfische) oder durch Supplementierung erfolgen.

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